„Eine Entbindung ist das letzte große Abenteuer auf dieser Welt!“ Das meint Doris, unsere Hebamme. „Und ihr, Männer, seid gefälligst dabei.“ Ruhe. Klare Ansage. Das ist ein Einstieg. Zehn tapfere Männer sind diese Woche angetreten, noch vor Ostern ihren allerersten Geburtsvorbereitungskurs zu absolvieren. Und Doris hatte sich zum Ziel gesetzt, einen vorzeitigen Realitätsabgleich zu garantieren.

„Früher hättet ihr Herren euren Hobbys oder eurer Arbeit nachgehen können, während die Frau euren Nachwuchs auf die Welt brachte. Danach seid ihr kurz vorbeigekommen, habt mal reingeschaut, euch stolz ne edle Zigarre angezündet und seid erst mal nach Hause gefahren, um zu pennen. Heute ist das anders. Als Partner seid ihr für eure Frau unerlässliche Unterstützung an einem besonderem Punkt im Leben. Und natürlich bei der Geburt dabei!“ Für uns angehende stolze Väter von heute heißt das: Wir müssen uns schon im Vorfeld genau damit auskennen, wie der Wehenabstandsmesser tickt, was PDA und Dammmassage sind und natürlich top vorbereitet sein, um mit unserer Frau gemeinsam im Kreißsaal zu hecheln. Zum Glück gibt es Vorbereitungskurse.

Eine angespannte Atmosphäre wie bei Rückstand in den letzten Minuten eines WM-Finales

Am Anfang war eine Stille. Zehn Männer auf völlig ungewohntem Terrain. Eine angespannte Atmosphäre wie bei Rückstand in den letzten Minuten eines WM-Finales. Und daneben die Göttergattinen, die insgeheim stolz in sich hinein lächeln, weil sie ihren Mann mit in den Geburtsvorbereitungskurs schleppen äh ich meinte dort mal präsentieren können und hoffen dass er keine blöden Fragen stellt freiwillig mitnehmen durften.

„Männer, erst im Kreißsaal erlebt ihr das wahre ICH eurer Frau“, haut Doris hinterher. Der Weg in die Klinik ist ja noch keine große Challenge. Aber danach. 7cm ist das Zaubermaß. 7cm, nicht 20, Jungs, 7cm! 7cm offener Muttermund und die richtige Party geht los. Ab dann sei alles anders. Eure Gattin, die jetzt vor Euch stöhnend, schreiend, hechelnd sitzt, liegt oder durch den Kreißsaal kriecht und ihr noch unbekanntes Wesen heraus kehrt. War sie vorher eine ganz ruhige kann sie jetzt zur Furie werden oder die Partyprinzessin wird zur stillen Maus. „Das geht vorbei“, so Doris, „ihr tut jetzt einfach alles dafür, dass es ihr gut geht. Alles! Und will sie es 10 Minuten später anders haben, macht ihr das, Punkt.“ Ihr müsst das alles wissen, damit ihr nicht traumatisiert aus der Klinik kommt.

Kurzzeitig befürchtete ich, Doris holt gleich im Nachbarzimmer den Wehensimulator raus. Aber davon wurden wir zum Glück verschont:

Fazit aus dem ersten Geburtsvorbereitungskurs: Das wird wohl kein Zuckerschlecken. Und wir Jungs halten uns im Hintergrund. Hinterm Bett oder hinter der Frau bleiben und bei Bedarf wird angepackt. Also wie immer.

Leider hatte ich keine Gelegenheit zum Mitschreiben. Meine Top-10 der Doris’schen Hebammen-Weisheiten für Erstgebärende, soweit ich das alles rekapitulieren konnte:

Eine Geburt ist harte und lange Arbeit. 

 

Schaut die Frau verschoben wie nach der Weinprobe drein, muss sie in die Klinik rein!

 

Eine 1-minütige Wehe alle 5 Minuten. Fahrt los. Nicht eine 5-minütige.

 

Ihr fragt bei jeder Kontroll-Untersuchung laut und deutlich: „Wie geht es dem Baby?“ Eure Frau kann nicht gut denken. Aber Sie hört mit. 

 

Keine komplexe Fragen á la „Wo ist Deine Chipkarte?“ Eine Handtasche ist ein komplexes Konstrukt. Eure Frau kann nicht denken. 

 

Wenn Euch Eure Frau um etwas bittet, macht es! Und wenn sie es 10 Minuten anders will, macht das. 

 

Der Mund ist mit dem Muttermund verbunden! Ist der Mund entspannt, ist der Muttermund entspannt!

 

7cm. 7cm. 7cm! 20 Zentimeter waren gestern. 7cm geöffneter Muttermund und alles wird anders. 

 

Mädels, Hebammen lieben alles was aus Euch raus kommt. Alles. Einfach laufen lassen. Dann seid ihr entspannt.

 

Mädels, presst wie beim Ka****. Ihr müsst bei der Geburt drücken, als hättet ihr die Verstopfung Eures Lebens. Das ist dann auch die richtige Richtung. Da freuen wir Hebammen uns. Toll!

 

Ihr geht mit dem Neugeborenen mit zur Untersuchung. Ihr achtet drauf, dass Eure Frau sich keine Sorgen macht, dass das Baby nicht vertauscht wird. 

Beim nächsten Mal brauche ich unbedingt etwas zum Schreiben.

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