Zwischen all die Glückwunschkarten und -Pakete in den ersten Tagen nach Geburt hat sich gestern ein ganz besonderer Brief gemischt: Die erste offizielle Behördenpost. Für unseren kleinen Wickelchef, direkt adressiert an ihn! Jeden Tag gab es etwas aufregend Neues, unsere erste Windel, das erste Mal zu Hause, unser erstes Rülpserchen Bäuerchen und anschließend die erste Blähung. Und jetzt, an Tag Nr. Zwölf nach Geburt kommt schon die erste persönliche Post vom Amt.

  

Wir freuen uns, reißen die Post natürlich gleich auf:

„So, Junior. Absender ist das Bundeszentralamt für Steuer. Ich lese Dir das mal vor. Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, das Bundeszentralamt für Steuern hat Ihnen die Identifikationsnummer XYZ zugeteilt. … Sie werden daher gebeten dieses Schreiben aufzubewahren, auch wenn Sie derzeit steuerlich nicht geführt werden sollten. Bitte geben Sie bei Anträgen …“

Aha.

Seine Meinung dazu: Weiternuckeln.

Meine Meinung nach kurzer Überlegung: Das ist echte Willkommenskultur in Deutschland. Das Begrüßungsschreiben vom Amt. Ich verstehe den Zweck, kann mein Unverständnis aber nicht verleugnen.

Willkommensbrief. Frau Schwesig, machen Sie etwas!

Alle paar Monate treiben Politik und Medien wieder einmal die Demografie-Sau durchs Dorf. Deutschland schrumpft, die Geburtenrate ist zu niedrig und die Bundesregierung erklärt mal wieder, dass im Jahr 2060 jeder Dritte 65 Jahre oder älter sein wird. (siehe z.B. dieser Artikel in der SZ).

Parallel lese ich immer wieder in der Zeitung: „…  der Bürgermeister überreichte  einen Geschenkgutschein, Bundespräsident Joachim Gauck hat persönlich Post zum 100. Geburtstag geschickt und der Ministerpräsident lobt ihre Schaffenskraft für unser schönes (Bundes)Land.“

Ich weiß, das ist jetzt Äpfel- mit Birnen vergleichen. Doch warum nicht auch den Neugeborenen und seinen Eltern als Begrüßung etwas Aufmerksamkeit schenken. Wie wäre es denn mit einem Willkommensbrief für Neugeborene? Schließlich wachsen hier zukünftige Arbeitskräfte oder vielleicht sogar Arbeitgeber, Steuerzahler und Gestalter unseres Landes (wenn Sie später nicht als Sport-Millionär in die Schweiz ziehen). Muss der erste persönlich adressierte Behördenbrief also die Steuernummer sein? Folgt dann als nächstes die Aufforderung zur Steuererklärung – „Sehr geehrter Herr Wickelchef, wir möchten Sie bereits heute an die fristgerechte Abgabe Ihrer Steuererklärung im Jahr 2035 erinnern.“

Es muss ja nicht gleich der Bundespräsident sein. Sicher freut sich auch die Familienministerin, Post zu schicken. Also, Frau Schwesig, machen Sie etwas!

 

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