Es ist so einfach. Permanent online sein zu können. Jederzeit kann ich als Smartphone-Huldiger auf fast alles Wissenswerte  zugreifen, parallel kommunizieren, Spaßvideos empfangen und Katzenbilder zurückschicken. Mails checken, auf Instagram und Facebook die Lage sondieren. Und bei Twitter durchscrollen, was all diese netten Elternbloggermenschen so beschäftigt. Hach, das Leben kann so schön sein!

Bis zum vermeintlichen Supergau am vergangenen Wochenende: offline. Auf allen Kanälen. W-Lan tot. Parallel stürzt auch noch das Smartphone nachhaltig ab. Sämtliche Kommunikation. Tot.

Phase 1: Bestürzung. Das nondigitale Leben muss grausam sein!  

Es pingt und klingelt noch, das Handy. Zu sehen im kunstvoll eingefärbten Streifen-Display ist natürlich nichts. Wer will da was? Das muss wichtig sein? Welche Termine waren ausgemacht? Wo muss noch etwas geklärt werden? Es bedrängt einen das bedrückende Gefühl, die interessanten Dinge schwimmen digital und unerreichbar vorbei.

Phase 2: Erinnerungen an die wunderbare Zeit, als Handys nur telefonieren konnten.

Ich genieße plötzlich die Nicht-Erreichbarkeit. Es gibt ja eine Mailbox. Lässt sich alles auch in einer Woche klären. Die Whatsapp-Chats sind dann sicher immer noch da. Eine Woche Pause hält der Wickelchef-Blog auch locker aus. Verpasse ich also wirklich etwas? Es schleicht sich ein unheimliches Entspannungsgefühl ein. Es ist so schön, nicht verfügbar zu sein. Und einen guten Grund dafür zu haben.

Phase 3: Etwas (deutsche) Ungeduld.

Teils sicher verständlich. „Für Ihren DSL-Anschluss liegt eine Störmeldung vor. Bitte stellen sicher, dass sie am Montag zwischen 14-20 Uhr zu Hause sind“, sagt die O2-Hotline-Bandansage. Um in aller Deutlichkeit gleich 2x nachzuschieben: SEHEN SIE VON WEITEREN STATUSANFRAGEN AB!!!“ Ok, verstanden. Besuch vom terminierten Telekom-Techniker natürlich Fehlanzeige. Was dann folgt sind bis heute 30-45 minütige O2-Warteschleifen. Nahezu täglich. Nach wie vor Problem ungelöst. Aber wenigstens das neue iPhone kommt mit einem Tag Verspätung nach ungeduldigem Warten fast pünktlich. Und dank Nachbarschaftshilfe ist so WLAN als freundliche Leihgabe verfügbar.

Phase 4: Wieder online.

Begleitet von einer Gefühlsmischung zwischen Freude und fast ein wenig Wehmut an eine Woche ohne digitale Vernetzung. Es kostet mich nur nur eine knappe halbe Stunde, um wieder Kontakt aufzunehmen. So effektiv. Habe ich etwas verpasst?

Ein paar Anrufe von Kollegen, die mich telefonisch vermisst haben. Einige Kunden-Rückfragen. Den Austausch der Sportfreunde und eine Hochzeitsgeschenk-Diskussionsgruppe bei WhatsApp, die auch ohne mich schlaue Ideen zusammengebracht hat (z.B. einen Präsentkorb und dafür ungefähr 40 Nachrichten benötigte). Und erste Spassbilder von der Uroma, die sich mit ihrem Tablet dank vieler Urenkel-Whatsapp-Schnappschüsse schneller als erwartet angefreundet hat.

Fazit: Mehr offline wagen

Schon oft habe ich darüber nachgedacht, den Online Nachrichten- und Medienkonsum noch stärker zu filtern. Weniger ist mehr. Angefangen hatte ich dies schon. Jetzt werde ich dies konsequenter umsetzen. Es macht den Alltag manchmal etwas komplizierter. Aber manchmal auch entspannter 😉

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